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Interview | 20 Jahre kleiner Rabe Socke – Wie fühlt sich das an?

Der kleine Rabe Socke wird 20 Jahre alt! Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist. Wie es sich wohl anfühlt, wenn der eigene Buchheld schon seit so langer Zeit Kinderherzen im Sturm erobert? Wir haben bei Autorin Nele Moost und Illustratorin Annet Rudolph nachgefragt.

Der kleine Rabe Socke wird in diesem Jahr 20 Jahre alt. Wie fühlt sich das für Sie beide an? Gibt es einen besonderen Moment oder ein besonderes Highlight in den 20 Jahren mit dem frechen Raben, an das Sie sich gerne erinnern?


Nele Moost:
Ein einzelnes Highlight fällt mir gar nicht ein. Was mich immer wieder über alle Maßen freut, ist, wenn Kinder mir mit strahlenden Augen vom kleinen Raben erzählen. Das Besondere im letzten Jahr war, dass alle Rabenbücher neu als Hörbuch aufgenommen wurden. Da man beim Hören, die wunderbaren Bilder nicht sehen kann, ist das eine schwere Aufgabe. Um die Stimmung und den Witz schön in Szene zu setzen, wurden die Geschichten erweitert und ausgeschmückt. Ich musste alles wieder lesen, was ich in den letzten 20 Jahren geschrieben habe. An vieles konnte ich mich nicht mehr genau erinnern und ich hatte richtig Spaß daran, wie lebendig und lustig der kleine Rabe immer noch durch die Welt spaziert. Ich fand ihn überhaupt nicht 20 Jahre alt, sondern ganz jung und frech und neu.

Annet Rudolph: Es ist einfach ein wunderschönes Gefühl, schon soooo lange mit dem frechen Kerlchen verbringen zu dürfen. Der schönste Moment für mich war, als der Esslinger-Verlag nach dem großen Erfolg mit „Alles meins!“ eine Kooperation mit Nici-Design eingegangen ist. Egal wo man hinkam, war es das Kaufhaus, der Möbelladen oder die Autobahnraststelle, traf man auf riesige Regalwände mit Merchandising und Bücher vom Raben. Besonders hat es mir der 1 Meter große Plüschrabe angetan, der immer noch als Beifahrer mit in meinem Auto unterwegs ist. Bei längeren Fahrten spielen wir immer Fahrer-Raten. Socke hat da immer die besten und witzigsten Ideen, was der einzelne Fahrer als Beruf ausübt. Da vergeht auch die längste Fahrt wie im Fluge. Auf jeden Fall war das damals eine sehr spannende Zeit für mich, weil ich an der Entwicklung der Produkte mitgearbeitet und auch die Zeichnungen dafür gemacht habe. Das war mal was ganz anderes als Bücher zu machen.  

Mit dem ersten Bilderbuch „Alles meins!“ startete der Rabe 1996 durch. Heute gibt es ihn sowohl im Bücherregal als auch im TV und auf der Kinoleinwand; er wurde in über 30 Sprachen übersetzt und ist aus keinem Kinderzimmer mehr wegzudenken. Hätten Sie damals mit diesem Erfolg gerechnet und was, denken Sie, ist das Besondere an der Figur, dass sie bis heute Kinder so fasziniert?


Nele Moost:
Ich hätte diesen großen Erfolg niemals erwartet. Eigentlich im Gegenteil. Meine Vermutung war, der Rabe ist viel zu ruppig, als dass ihn viele Menschen mögen können. Mir selbst lag er vom ersten Wort an ganz nah am Herzen. Ich wollte eine Figur schaffen, die so wie ich oder vielleicht wie wir alle nicht immer ordentlich ist, die nicht immer funktioniert und die nicht immer alles richtig macht. Womöglich habe ich damit etwas getroffen, was Kinder und Erwachsene wiedererkennen und am kleinen Raben lieben.

Annet Rudolph: Ich kann nicht sagen, dass ich mit dem Erfolg gerechnet hätte, aber natürlich habe ich ihn mir erhofft. Ehrlich gestanden hoffe ich dies für jedes meiner Bücher, das ich illustriere, und ja, sogar manchmal auch schreibe. Aber Socke, der wusste das schon immer, behauptet er zumindest. Der kleine Kerl hat eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und einen Schnabel, den er selten halten kann. Er ist frech und lustig zugleich, aber auch ein echter Kumpel, mit dem man Pferde oder besser Plätzchen stehlen kann, der einen Haufen Freunde hat, genau genommen 12 und der auch mit nur einer Socke voll im Leben steht. Für Selbstzweifel ist da nur selten Platz!

Wie entstand die Idee zum kleinen Rabe Socke und seinen Freunden? 


Nele  Moost:
Ich wollte eine Figur schaffen, die sich nicht immer korrekt benimmt. Und daraus ergab sich sogleich die Frage, was passiert, wenn so einer auf möglichst viele unterschiedliche andere Charaktere trifft. Was geht schief? Wo und bei wem eckt er besonders an? Wie kann so ein kleiner Rabe es hinkriegen, dass die anderen ihn trotzdem mögen und seine Freunde werden und bleiben?
Im Laufe dieser Überlegungen hat sich der kleine Rabe Socke Schritt für Schritt ein Freund nach dem anderen erobert.

Annet Rudolph: Grundsätzlich war da erstmal Neles Text zu „Alles meins!“. Socke und seine Freunde purzelten während der Arbeit nur so aus mir raus. Da war zum Beispiel ganz schnell die Idee von der einzelnen Socke für den diebischen kleinen Raben oder der Motorradhelm für Eddi geboren und aus Neles Idee von einem Reh wurde bei mir ein Dachs und seine Mama. Die Entwicklung vom Raben und seiner Freunde hat mir riesig viel Spaß gemacht.

Frau Moost, Sie sind seit 20 Jahren die Geschichtenschreiberin des Raben. Fällt es Ihnen manchmal schwer sich noch neue, freche Geschichten für Socke auszudenken?

Nele Moost: Ja und Nein. Manchmal muss ich lange überlegen, bis ich mit dem Schreiben anfangen kann. Denn, ich möchte gern Geschichten erzählen, die Kinder wirklich interessieren, die für sie wichtig sind. Da kann es dauern, bis mir ein gutes Thema einfällt. Aber danach ist alles leicht. Wenn Socke und seine Freunde erst einmal anfangen zu sprechen, geht alles fast von selbst.

Frau Rudolph, Sie erwecken Socke mit Ihren Aquarellzeichnungen bildlich zum Leben. Wie lange zeichnen Sie an einem Bilderbuch und wo zeichnen Sie am liebsten?


Annet Rudolph:
Socke, seine Freunde und ich toben uns am liebsten in meinem Atelier aus. Es ist ein großer, heller Raum mit haufenweise Fachwerk und Blick auf unser kleines Paradies. Socke liebt es mit seinen Freunden auf den Balken fangen zu spielen, während Eddi mit unseren drei Stubentigern ein Schläfchen auf dem extrem gemütlichen Sofa hält, und ich am Schreibtisch sitze und arbeite. Gern liegt Socke dann auch auf dem Balken über mir und kommentiert meine Skizzen und Reinzeichnungen. Das ist nicht immer produktiv, aber meistens sehr lustig. Wie lang ich dann genau für ein Buch brauche, das kann ich gar nicht sagen. Das hängt von vielen Faktoren ab, besonders von Socke und seinen Freunden. Sie machen sich nämlich ganz oft einen Spaß daraus, meine Farben und Stifte zu verstecken. Und diese Schelme sind die besten Versteckefinder der Welt ...

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