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Interview mit Lorenz Just über Mohammed

„Mohammed“,  die Biographie von Islamwissenschaftler Lorenz Just ist kürzlich erschienen. Wir wollen wissen, warum er sich genau diesen Propheten ausgesucht hat.

 

1. Lieber Herr Just, Sie haben eine Biographie über den Propheten Mohammed geschrieben. Mit welcher Intention? Wen möchten Sie als Leser erreichen?

Die Lebensgeschichte Mohammeds ist für Muslime eine der grundlegenden Erzählungen ihres Glaubens. Viele Nicht-Muslime aber wissen von Mohammed nicht mehr, als dass er der Prophet des Islams ist. Das Ziel der Biografie war es, dessen abenteuerliche und eindrucksvolle Geschichte für ein Publikum zugänglich zu machen, das sich bislang nie mit Mohammed und dem Islam beschäftigt hat, und ein Interesse dafür zu wecken, das sich nicht allein von der aktuellen medialen Wahrnehmung speist. Dafür wollte ich einen offenen, unvoreingenommenen Blick auf das Thema finden, der keine tendenziöse Färbung hat.

2. Was ist das Andere und das Besondere an Ihrer Biografie?

Ich stelle Mohammeds Weg vom Waisenkind zum erfolgreichen Propheten dar. Die klassischen Überlieferungen über das Leben Mohammeds haben mir dafür ein vielfältiges, anekdotenreiches Material geboten. Das spannungsreiche Wechselspiel zwischen rein erzählerischen Passagen und erklärendem Kommentar regt an, sich gedanklich in die Zeit, das Geschehen und auch die Person Mohammeds hineinzuversetzen. Fasziniert hat mich, wie häufig Motive der christlich-jüdischen Prophetenliteratur auch in der klassisch-islamischen Geschichte des Gesandten Gottes wiederzufinden sind.

3. Wie haben Sie sich Mohammed genähert? Wie muss man sich Ihre Arbeitsweise und Recherche vorstellen?

Im Gegensatz zur Bibel-Forschung kann sich die Forschung über das Leben Mohammeds auf keine aufschlussreichen und beweiskräftigen archäologischen Funde berufen – eine Reise an die historischen Orte, die im heutigen Saudi-Arabien liegen, wäre daher wenig hilfreich. Vom Leben Mohammeds zeugen allein die vielen schriftlichen Überlieferungen, die wiederum auf mündlichen Überlieferungen fußen. Ich habe in den klassisch-islamischen Quellen gelesen, die moderne Sekundärliteratur zu Rate gezogen und mich mit einem ehemaligen Dozenten und früheren Kommilitonen getroffen und diskutiert.

4. Sie studieren am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und haben Islamwissenschaften studiert. Was reizte Sie seinerzeit an diesem Studium?

Mit Anfang Zwanzig wollte ich „die Welt kennenlernen“ und hatte nach einer Schulzeit, in der hauptsächlich die westliche Kultur und Wissenschaft vermittelt wird, den Wunsch für längere Zeit in einer mir kaum bekannten Kultur und anderen Sprache zu leben. Mein besonderes Interesse an der arabisch-islamischen Welt hat aber auch der Islamismus geweckt, der sich in den Anschlägen vom 11. September, kurz nachdem ich ein Austauschjahr in den USA verbracht hatte, so unvermittelt zeigte.

5. Haben Sie zudem einen persönlichen Bezug zum Islam?

Während der intensiven Beschäftigung und dem vielfältigen Kontakt mit der arabischen Welt, habe ich natürlich auch eine persönliche Beziehung zum Islam entwickelt. Sehr bewusst gelebte Frömmigkeit und das Beharren auf einer bestimmten Lehre sind mir immer suspekt geblieben. Manche Lebenseinstellungen aber, die mit einer islamischen Prägung oft einhergehen, habe ich sehr zu schätzen gelernt: das Vertrauen darauf, dass es etwas Wesentlicheres gibt als Reichtum und Ruhm, oder die Gelassenheit, die das Bewusstsein der Vergänglichkeit unserer Welt verschafft.

6. Sie sind neben dem Studium in Kairo auch in andere arabische Länder gereist. Was begeistert Sie an der arabischen Kultur?

Da lassen sich viele sehr konkrete Dinge aufzählen: der gregorianisch anmutende Gesang des Korans, der mitten im Verkehrschaos aus den Boxen des Autoradios tönt; das nächtliche Leben im Ramadan, der jede übliche Tagesordnung verwirft; auch die große Gastfreundlichkeit, der ich dort begegnet bin. Augenöffnend kann auch die Begeisterung sein, mit der manche europäische Philosophen und Literaten gelesen werden – in einer anderen Kultur finden sich selbst zu den altbekannten Klassikern unverhofft neue und frische Zugänge.

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