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Geschichten-Werkstatt

Britta Sabbag im Interview

Autorin Britta Sabbag lässt uns hinter die Kulissen ihres neuen Kinderbuchs „Fritzi Klitschmüller“ blicken! Im Interview erzählt sie alles über die kleine Mädchenheldin Fritzi, wie Buch und Illustrationen entstanden sind und ihrer Freundschaft zu Illustratorin Stefanie Messing.

Was ist für dich das Besondere an Fritzi?

Sie erinnert mich an Ronja Räubertochter, die mich am nachhaltigsten geprägt hat, bis heute. Diese Figur ist das einzige Vorbild, das ich je hatte. Mich beeindruckt ihr Mut - trotz Angst und Respekt - sich neuen Dingen und Situationen zu stellen. Sie steht zu ihren Entscheidungen und deren Konsequenzen, auch, wenn es einen Nachteil für sie bedeutet.
Mit übernatürlichen Superkräften kann jedes Mädchen stark oder besonders sein. Aber ganz ohne, nur mit einem starken Willen, Mut und Intuition als Superkraft - das ist für mich eine echte Heldin, die greifbar ist. So gesehen ist Fritzi die moderne Ronja Räubertochter der Vorstadt.
Ich wollte schon immer über starke Mädchen schreiben, die nicht gleich die ganze Welt retten müssen, sondern erstmal Ihre eigene, kleine, und damit dann aber auch die Welt für die anderen ein Stück weit besser machen.
Fritzi ist so ein Mädchen.

Hat die Illustratorin Stefanie Messing mit ihren Illustrationen bei dir ins Schwarze getroffen?

Stefanie Messing und ich kannten uns bereits durch ein ehrenamtliches Kinderprojekt und weil nicht nur die Chemie passte, sondern auch Steffis Art zu zeichnen, war klar, dass wir zusammen arbeiten würden. Zu unserem Glück sah der Verlag es genau so. Und nun gibt es eine Fritzi mit Pommes Haaren, hinter denen sie ihre Gedanken verbergen kann.

Von der ersten Skizze bis zur fertigen Fritzi
Wie Fritzi Skateboardfahren lernt

Hast du einen bestimmten Schreibrhythmus? Oder nur Momente, in denen du schreiben musst …

Allen voran hab ich Deadlines .. :-) Ja, klar hab ich einen bestimmten Rhythmus, anders ginge so etwas als Hauptberuf auch gar nicht. Ja, ich schreibe jeden Tag. Es sei denn ich lese, lese vor, plotte, denke nach oder prokrastiniere (das gehört zum Job, Sie verstehen.) (Ich schreibe übrigens nicht im Negligé. Es ist ein ordinärer Schlafanzug, und manchmal passen beide Teile auch nicht zusammen.)

Mein Schreibtag sieht exakt so aus: Um 7 Uhr aufstehen, joggen, bisschen Yoga, leichtes Frühstück (Obstsalat mit Müsli), Mails checken, ab 8:30 Uhr bis 12 Uhr schreiben, in der Mittagspause Fragen wie diese beantworten, dann bis 17 Uhr weiterschreiben, und den Abend mit einem gesunden Essen (Gemüse, leichter Fisch) und einem Glas Wein und Freunden ausklingen lassen.

So WÜRDE ein Autorentag aussehen, wenn ich ihn schreiben würde:
In Wirklichkeit nehme ich mir um 9 Uhr vor, mich nur noch eine Minute umzudrehen, wache um 10:30 Uhr schweißgebadet auf, weil der halbe Tag rum ist, kein Brot da, also Nutella aus dem Glas am Schreibtisch, Mist, Tastatur beschmiert, wegwischen, Mist, Seite gelöscht, Ahhhhh, Hilfe!, wie stellt man das wieder her?, Anruf bei PC Menschen, es ist 13 Uhr, nix geschrieben, aber wieder Hunger, was in den Ofen, Text wieder hergestellt, Gottseidank, schnell die verlorene Zeit aufholen, AAAhhh, Backofen vergessen, Essen verbrannt, Mist, Agentin ruft an, wo ist der Text, beim Telefonieren Finger verbrannt, Apotheke, Brandschutzsalbe kaufen, Finger verbinden, es ist 16 Uhr, jetzt braucht man auch nicht mehr anfangen, immer noch Hunger, Pizzaladen um die Ecke, okay dann eben so, da war ja noch was, 19 Uhr, ah ein Interview, wie der Tag so aussieht.
Und was war nochmal mit Sport?

Wie bist du auf „Fritzi“ gekommen? Wie findest du überhaupt deine Ideen? Im Alltag, Schlüsselerlebnis, träumst du davon, hast du eine Eingebung?

Ich kam vom Einkaufen und sah ein Mädchen auf einem Skateboard in einem Affenzahn an mir vorbeidüsen. Das Besondere an ihr war, dass sie ein sehr rüschiges Sommerkleid trug, was erstmal gar nicht zu dem Skaterlook zu passen schien. Auf dem Nachhauseweg musste ich darüber nachdenken, warum. Muss ein Mädchen auf einem Skateboard aussehen wie ein Junge? Oder kann man auch alles haben? Das war dann der Samenkorn, der nach und nach die Fritzi-Pflanze wachsen ließ. Dann erzählte mir eine Freundin noch von einer Klassenkameradin ihrer Tochter, die Shakira hieß, und extrem fies war und immer allen die Süßigkeiten klaute. So kam Shakira Klitschmüller dazu. Und auf einmal hat man den Anfang einer Geschichte. 

Autorin Britta Sabbag
Illustratorin Stefanie Messing

Fritzi ist ja dein erstes Kinderbuch, was macht für dich den besonderen Reiz daran aus? Denn vorher hast du ja bereits Bücher für Erwachsene und Bilderbücher geschrieben …

Ich schreibe kein Genre sondern Geschichten, und die kommen zu mir, ich suche sie nicht. Das bedeutet, es kommt ein Mädchen auf einem Skateboard an mir vorbei, und es wird zu einer Geschichte. Oder ich denke daran, dass viele nicht mit den besten Voraussetzungen ins Leben starten, später aber trotzdem fliegen lernen, und so entstand die Idee der kleinen Hummel Bommel. Erst einmal sind es alles nur Geschichten - ob Roman, Kinder- oder Bilderbuch, und für welches Alter, diese Einteilung wird erst viel später gemacht (spätestens vom Verlag)

Oder ich höre Nachrichten, lese Zeitung, sehe eine Szene im Supermarkt - und oft klettern Ideen still und heimlich in den Hinterkopf und kommen dann ganz unvermittelt (erstens mitten in einem anderen Projekt) raus. Mittlerweile habe ich eine Art Ideen-Warteschlange im Kopf, ich muss also sehr sehr alt werden, um alle aufzuschreiben. 

Kommentare

Sehr Tolles Interview

Ollie (03-08-17 15:46)

Ein sehr sehr Tolles interview und sehr Ausführlich und offen und ehrlich ;)
Hat mir sehr gefallen , Schade das es so kurz ist hätte gern mehr gelesen ^^"




Buch zum Beitrag

Britta Sabbag, Stefanie Messing

Fritzi Klitschmüller

Lustiges Mädchenbuch ab 8 von Bestsellerautorin Britta Sabbag. Für alle die „Mein Lotta-Leben“ mögen.

Fritzi wünscht sich nichts sehnlicher als ein knallrotes Skateboard. Stattdessen bekommt sie ein mehr ...

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