Thienemann-Esslinger

Logo

Geschichten-Werkstatt

Eine Reise zu den Schauplätzen von "Soul Hunters"!

Zum ersten Mal war ich vor vielen Jahren in Brügge, lange vor dem Erscheinen des ausgezeichneten Films „Brügge sehen … und sterben?“. Es war damals, wie im Film, Winter, es lag Schnee, die Dunkelheit brach früh herein, und die schmalen Straßen und Gassen der Stadt verwandelten sich in magische Orte voller Geheimnisse und Romantik.
Das fiel mir wieder ein, als ich nach einem Handlungsort für „Soul Hunters“ suchte. Die Idee war zunächst unabhängig vom Ort entstanden, für mich war aber klar, dass es eine Stadt mit einer alten Geschichte sein musste. Außerdem liegt Brügge nur wenige Bahnstunden von meinem Wohnort am Niederrhein entfernt, was das Recherchieren sehr praktisch machte.

Wenn ich eine Geschichte in unserer heutigen Zeit ansiedle, dann ist es für mich wichtig, die Handlungsorte selbst zu erfahren – die Luft, die Geräusche, die Düfte, die Menschen. Google Street View ist zwar ein tolles Werkzeug und wunderbar zur Nachbereitung eines Besuches geeignet, kann aber die persönliche Erfahrung nicht ersetzen. Für mich hat jede Stadt ihren eigenen Charakter, fast wie ein Lebewesen, und den kann man nur direkt kennenlernen.

Aus der ersten Romanskizze wusste ich bereits, welche Orte ich für meine Geschichte benötigte, zum Beispiel ein Internat, einen oder mehrere Plätze, ein Café und ein Lagerhaus in Hafennähe. Also bestieg ich morgens früh den ICE nach Brüssel und trat kurz nach elf Uhr aus dem Bahnhof von Brügge. Gleich auf dem Weg ins Stadtzentrum machte ich meine erste Entdeckung: Ein großer, hoher Backsteinbau in einer schmalen Straße, an dem sogar ein Schild mit der Aufschrift „Internat“ prangte! 

Mein erster Weg führte mich durch die Innenstadt hindurch in Richtung Hafen, wo ich schnell fündig wurde und das Vorbild für das Lagerhaus der mysteriösen Olympos-Gesellschaft entdeckte – mit einem Billardklub direkt nebenan, der dann auch Eingang in meine Geschichte fand. 

So zog ich bis abends durch die Stadt, trank in diesem oder jenem Café einen Kaffee oder einen Tee und entdeckte weitere Vorbilder für meine Romanorte. Zum Beispiel die beiden Mönche im Innenhof des Hospitals:

Dahinter ragt die Liebfrauenkirche in die Höhe, die ich zum Glück betrat, denn ich wusste nicht, dass der Durchgang zur anderen Seite wegen der Bauarbeiten gesperrt war. So konnte ich die Situation in meinem Buch nutzen, um Jonas Flucht vor seinem Verfolger etwas komplizierter zu gestalten.
Wenn man den ganzen Tag lang immer wieder Kanäle (Reien) überquert, dann drängt sich die Idee förmlich auf, das für eine Szene zu nutzen. So kombinierte ich die allgegenwärtigen Rundfahrtboote 

mit einem Sprung von einer der vielen Brücken bei der Flucht Hannahs vor der Polizei. 

Besonders angetan hat es mir dann ein etwas abgelegener Platz, an dessen einer Seite sich eine etwas lädierte, aber majestätische Kirche befand 

und auf dessen anderer Seite eine leerstehende Villa lag, deren Ausstrahlung mich so beeindruckte, dass sie zu einem wichtigen Handlungsort der Geschichte wurde.

Mit diesen und anderen Eindrücken gewappnet, konnte ich mit dem Schreiben beginnen. Auf halber Strecke bin ich dann noch einmal für ein paar Tage nach Brügge gereist, um gezielt ein paar weitere Orte aufzusuchen, die ich näher beschreiben wollte.
Man könnte nun einwenden, dass so eine Genauigkeit vielleicht etwas übertrieben ist. Das finde ich nicht. Ich lese gerne spannende Bücher, die mir zugleich viel über die Stadt, in der sie spielen, verraten. Ich will die Straßennamen wissen und das Pflaster unter meinen Füßen spüren (Ist es Asphalt? Ist es Kopfstein?), um in der Story versinken zu können. Und um vielleicht bei einem späteren Besuch in der Stadt solche Orte aufsuchen zu können – oder mich daran zu erinnern, falls ich schon einmal dort gewesen bin.

Wenn ich eine Stadt mag, dann möchte ich das mit anderen Menschen teilen und ihnen ein wenig Lust machen darauf, diese Eindrücke selbst zu erleben. Ich hoffe, das ist mir mit Brügge und „Soul Hunters“ gelungen. 

Kommentare

Keine Kommentare




Buch zum Beitrag

Gerd Ruebenstrunk

Soul Hunters

Spannung pur: ein actiongeladener Thriller über Liebe, Verfolgung und ein toughes Mädchen

Hackerin Hannah hat eine Partnerbörse entwickelt, basierend auf einem Algorithmus, der Seelenverwandte findet mehr ...

14,99€

Gerd Ruebenstrunk

Soul Hunters

Spannung pur: ein actiongeladener Thriller über Liebe, Verfolgung und ein toughes Mädchen

Hackerin Hannah hat eine Partnerbörse entwickelt, basierend auf einem Algorithmus, der Seelenverwandte findet mehr ...

11,99€