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Von Poltergeistern und geheimnisvollen Friedhöfen – hinter den Kulissen von "Seelenlos"

Autorin Janine Wilk lässt uns hinter die Kulissen zu ihrem neuen Buch "Seelenlos – Fluch der Rauhnächte" blicken und erzählt, wie sie auf die Idee gekommen ist, ob sie an Geister glaubt und wer Greyfriars Bobby war ...


Wie bist du auf die Idee zu deinem neuen Roman „Seelenlos“ gekommen?
Ich habe zufällig einen Bericht über einen Poltergeist gelesen, der auf einem Friedhof im schottischen Edinburgh sein Unwesen treiben soll. Ungewöhnlich daran war, dass sich die Angriffe des Poltergeistes derart gehäuft haben, dass die Stadtverwaltung sich dazu gezwungen sah, den betroffenen Bereich für Besucher zu sperren. Das hat natürlich sofort meine Neugier geweckt und ich wollte unbedingt mehr über den Poltergeist und die Geschichte des Friedhofs erfahren.

Du hast dich sogar persönlich auf die Suche nach dem Poltergeist gemacht und bist nach Edinburgh gereist. Ist er dir begegnet?
Ich war bei meiner Recherche nachts auf dem Friedhof „Greyfriars Graveyard“ und habe mich sogar in den Bereich gewagt, der das Zentrum der Poltergeisteraktivitäten sein soll und normalerweise für Touristen gesperrt ist. Da ich von all den offiziell dokumentierten Berichten und Verletzungen wusste, die dort den Menschen von unsichtbaren Krallenhänden zugefügt worden sind, war mir offen gestanden schon etwas mulmig zumute. Somit hatte ich wohl Glück, dass mir der Geist nicht erschienen ist und ich unverletzt geblieben bin.

Gibt es historische Vorbilder für deine Figuren?
Zwar möchte ich nicht zu viel vom Inhalt des Buches verraten, doch tatsächlich entspringt die Geschichte rund um den Poltergeist George Mackenzie einer wahren Begebenheit und der Grund, weshalb der Geist dieses Mannes bis heute keine Ruhe finden soll, ist ein überaus tragischer und grausamer Vorfall im siebzehnten Jahrhundert. Auch Mackenzies letzte Ruhestätte, die im Roman erwähnt und das „Schwarze Mausoleum“ genannt wird, existiert wirklich.

Ist dir schon mal etwas Übernatürliches oder Unheimliches passiert?
Als mein Großvater nach langer Krankheit verstarb, ist just in diesem Augenblick seine geliebte Standuhr stehen geblieben. Lange Zeit bin ich davon ausgegangen, dass es sich dabei um ein übernatürliches Ereignis gehandelt hat, aber mittlerweile habe ich erfahren, dass dies - aus rein wissenschaftlicher Sicht - nur ein simpler Zufall war: Alle paar Sekunden bleibt irgendwo auf der Welt eine Uhr stehen und alle paar Sekunden stirbt ein Mensch. Somit ist es nur wahrscheinlich, dass beides auch exakt in derselben Sekunde geschieht – doch der Mensch stellt zwischen zwei voneinander unabhängigen Vorfällen einen Zusammenhang her, der in Wahrheit überhaupt nicht existiert. Solche Erklärungen sind wirklich sehr ernüchternd und berauben einen der kleinen Wunder, die man im Leben zu entdecken glaubt.

Das bedeutet, du glaubst auch nicht an Geister?
Ich bin ein recht rational veranlagter Mensch, der sich an Fakten und Daten orientiert, und bisher konnte man die Existenz von Geistern nicht wissenschaftlich belegen. Umso mehr bin ich dann immer wieder über mich selbst erstaunt, wenn ich im Dunkeln plötzlich eine unnatürliche Furcht verspüre oder sich mein Herzschlag beschleunigt, wenn ich abends alleine daheim bin und mit einem Mal das Licht flackert oder die Zimmertür wie von Geisterhand aufschwingt. Diese menschlichen Urängste kann man wohl – trotz aller Vernunft - nicht so einfach ablegen.

Du beschreibst Edinburgh sehr lebhaft und man hat beim Lesen das Gefühl, direkt in dieser geschichtsträchtigen Stadt zu sein. Hattest du dort auch ein besonderes Erlebnis?
Eines Nachmittags stand ich vor einem kleinen Geschäft namens „Cadenhead´s“ und habe einige Beobachtungen in mein schwarzes Notizbuch geschrieben. Der Inhaber kam mit besorgtem Gesicht heraus und fragte mich freundlich, ob es denn ein Problem mit seinem Laden gäbe. Wie sich herausstellte, hat er mich für eine Polizistin gehalten, da diese öfter mal in Zivilkleidung einen Rundgang durch die Stadt machen und sich Ordnungswidrigkeiten in ihre schwarzen Notizbücher schreiben. Als ich ihm gesagt habe, dass ich Autorin bin und über Edinburgh schreibe, hat er mich gleich mit in seinen Laden genommen und mir stolz seinen Hund gezeigt, der gemäß der alten Legende von „Greyfriars Bobby“ natürlich ebenfalls Bobby hieß.

Um was geht es in dieser Legende?
Sie handelt von einem Hund, der seinem Herrchen bis über dessen Tod hinaus die Treue gehalten und jahrelang an dem Grab Wache gehalten hat. Jedes Kind in Edinburgh kennt diese alte und anrührende Geschichte, die ich natürlich auch in meinem Roman aufgreife. Die Statue von „Greyfriars Bobby“ vor dem Friedhof gehört zu den meistfotografierten in ganz Schottland und die Leute deponieren dort sogar kleine Hundeknochen.

Das klingt so, als hättest du dich in Edinburgh wohlgefühlt?
Und wie! Mein Aufenthalt in dieser wunderschönen Stadt hat mich sogar mehr beeinflusst, als ich erwartet hätte. Zum Beispiel bin ich ein Fan von Porridge geworden und Shortbread, ein leicht salziges Mürbeteiggebäck, liebe ich geradezu. Im kommenden Jahr möchte ich noch einmal nach Edinburgh reisen und die Stadt ohne den Stress einer Buchrecherche genießen. Die Schotten sind so offen und herzlich, dass man sich sofort willkommen fühlt.

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