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Ein Glas Spezi, eine Tasse Kaffee und eine versteckte Ecke zum Schreiben

Patrick Hertweck schrieb seinen Debütroman „Maggie und die Stadt der Diebe“ in einem düsteren Freiburger Lokal! Im Interview erfahrt ihr mehr über die Enstehung des Abenteuerromans! 

 

„Maggie und die Stadt der Diebe“ ist Ihr erstes Buch. Hatten Sie die ganze Handlung schon als Konzept im Kopf, bevor Sie angefangen haben, oder hat sie sich erst nach und nach entwickelt?

Zunächst habe ich die Hintergrundgeschichte entworfen, die zehn Jahre vor der eigentlichen Handlung stattgefunden hat. Maggies abenteuerliche Suche nach ihren Wurzeln hatte ich nur als grobe Skizze im Kopf, als ich mit dem Schreiben des Romans begonnen habe. Die Details wie auch die meisten Charaktere entwickelten sich von selbst, je mehr ich in Maggies Welt eingetaucht bin. Zu meiner eigenen Überraschung erfuhr auch die Geschichte von Maggies Vergangenheit dadurch einige Wendungen, so dass der Roman ein völlig anderes Ende nahm, als von mir ursprünglich geplant.

Der Roman entführt den Leser von Anfang an in eine ganz fremde Welt - die New Yorker Unterwelt der 1870er Jahre. Was fasziniert Sie so sehr an diesem Ort und dieser Zeit?

Das damalige Manhattan war eine Welt erstaunlicher Gegensätze. Im Süden der Insel erstrecken sich damals die elendsten Slums der westlichen Hemisphäre. Es war eine unfassbar arme und qualvoll enge Welt, in der das Gesetz der Straße galt. Die Drei-Cent-Spelunken, Spielhöllen, die lichtlosen Gassen, die abweisenden Elendsquartiere, das Netz der unterirdischen Gänge und die Flusshäfen entlang der Küstenlinie erschienen mir ein ideales Setting für eine bunten, actionreichen und fesselnden Abenteuerroman mit einer dicht gewobenen Spannungsgeschichte, in der ich den skurrilen und sagenhaften Individuen, welche diese lebensfeindliche Welt hervorgebracht hat, eine besondere Bedeutung zukommen lassen wollte.

Wie haben Sie für dieses Buch recherchiert?

Wichtigste Inspirations- und Informationsquelle waren für mich Herbert Asburys bekannte Chronologie über das New Yorker Bandenwesen sowie die zeitgenössischen Fotografien von Jacob August Riis. Parallel dazu habe ich Dutzende Bücher über die Geschichte Manhattans gewälzt. Einige wertvolle Seiten und Blogs zu New Yorks Historie im Internet haben meine Recherche ergänzt.  Danach galt es, aus der Fülle der Informationen und realen Geschichten über das Leben in den Slums das herauszufiltern, was ich für „Maggie und die Stadt der Diebe“ verwenden wollte. 

Haben Sie für sich eine Gewohnheit, ein Ritual oder einen besonderen Ort zum Schreiben gefunden, um auf gute Ideen zu kommen?

Als Vater von drei Söhnen im Alter von 5 und 3 Jahren sowie 9 Monaten ist es für mich schwer, tagsüber zuhause ausreichend Ruhe zum Schreiben zu finden. Deshalb musste ich mich notgedrungen nach einem Arbeitsplatz außerhalb unserer Wohnung umsehen. Diesen fand ich in einer düsteren Freiburger Kneipe. Dort bezog ich jeden Tag unter der Woche in einer versteckten  Ecke mit einem Glas Spezi und einer Tasse Kaffee meinen Platz und tauchte für etwa 5 Stunden in Maggies Welt ab, ehe ich wieder hinaus ans Tageslicht und die Realität trat.

Goblin, der geheimnisvolle Anführer der 40 Little Thieves, nennt sich selbst „frei nach Dickens“ Fagin und auch andere Elemente erinnern an „Oliver Twist“. Gibt es noch mehr literarische Vorbilder, die Sie in Ihrem Roman aufgreifen oder die Sie geprägt haben?

„Oliver Twist“ und Charles Dickens Werk überhaupt gehören sicher zu wichtigen Einflüssen. Aber J.K. Rowling hat einmal gesagt, sie glaube, alles, was man je gelesen hat, fließe in einen Roman ein. Ich teile ihre Meinung. Seit jeher lese ich mit Vorliebe Romane, in denen Kinder die Hauptrolle spielen, ganz gleich, ob es  Bücher für junge Leser oder Erwachsene sind. Kindheit und deren Verlust, Freundschaft  oder der Kampf vermeintlich unterlegener Protagonisten gegen übermächtige Gegner gehören für mich zu wichtigen Elementen für packende Geschichten. Deshalb denke ich, dass mein Debüt Leser aus allen Altersstufen findet, die sich mit Maggie auf ihre Reise voller Geheimnisse und Abenteuer begeben wollen.

Werden wir denn in Zukunft mehr von Maggie und ihren diebischen Freunden hören? Oder arbeiten Sie gerade an einer ganz anderen Geschichte?

Tatsächlich arbeite ich aktuell an einer ganz anderen Geschichte. Diese spielt auf Coney Island, einer Brooklyn vorgelagerten Insel, die Ende des 19. Jahrhunderts ein riesiger Vergnügungspark war. Ich schließe aber nicht aus, dass ich zu Maggie und ihren Freunden zurückkehren werde. Die Leser von „Maggie und die Stadt der Diebe“ erfahren am Ende des Romans, dass die Geschichte womöglich noch nicht zu Ende erzählt ist. Außerdem habe ich noch ein letztes Geheimnis zum Schicksal von Maggies Eltern für mich behalten.

 

 

Kommentare

Maggie und die Stadt der Diebe

Ingrid Oelmann (21-10-15 15:16)

Super Buch, spannend in jeder Hinsicht bis zur letzten Seite. Einmal eine völlig neue Welt, fazinierend. Ich warte und freue mich auf Patrick Hertweck´s neues Buch, welches hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt.

Tolles Buch!

Nicole (18-01-16 13:59)

Hallo,

"Maggie und die Stadt der Diebe" ist eines der außergewöhnlichsten (Kinder-) Bücher, das ich zuletzt gelesen habe. Ich bin Buchhändlerin und empfehle dieses Buch mit Begeisterung. Bei unseren kleinen KundInnen kommt es gut an, besonders die Tatsache, dass es ein Abenteuerroman ist und im Fokus ein starkes Mädchen steht.

Ich freue mich schon sehr auf eine (mögliche) Forsetzung, sowie auf weitere Bücher von Herrn Hertweck!

Viele Grüße,
Nicole

P.S.: Das Interview ist klasse, Herr Hertweck scheint noch sympathischer zu sein, als ich dachte. ;-)




Buch zum Beitrag

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