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Geschichten-Werkstatt

Von Wortmenschen und Bildermenschen ...

Rainer Oberthür erzählt uns im Gespräch, was ihn zu seinem neuen Bilderbuch „Zusammen“ inspiriert hat und welche Bedeutung diese Geschichte heutzutage hat.

Lieber Herr Oberthür, neben Ihren Bilderbüchern, die Kindern und auch Erwachsenen die biblischen Überlieferungen zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten näher bringen, erscheinen bei Gabriel poetische Texte zum christlichen Gottes- und Glaubensverständnis. „Zusammen“ heißt Ihr neues Buch, das die Künstlerin Barbara Nascimbeni bebildert hat. Was hat Sie auf dieses Thema gebracht?

Ich wollte in einer „märchenhaften“ Geschichte vom Wesen des Menschen als Symbolwesen erzählen. Immer bringen wir Bild und Wort, Ding und Bedeutung, Tatsache und Geheimnis ZUSAMMEN. Die Erzählung bringt zur Sprache und wunderbar zu Bild, wie es dazu kam, ähnlich wie die Schöpfungsgeschichten von der Entstehung von Welt und Mensch, von Gut und Böse erzählen. Das ist nicht historisch wörtlich gemeint, sondern überzeitlich, symbolisch und „wesentlich“. So ist der Mensch – so sind wir!

Ihre Geschichte deutet vieles an. Welche weiteren Lesarten eröffnet die Erzählung?

Ich denke, eine ganze Reihe: Es ist eine Geschichte der Mensch-werdung, eine Hoffnungsgeschichte der Entdeckung der Religion, eine Freundschaftsgeschichte zwischen zwei Kindern, eine Friedensgeschichte zwischen zwei Völkern und vielleicht noch mehr. Das ist allen überlassen, die sie bedenken und deuten. Mir bedeutet sie viel.

Im Buch erzählen Sie von Wortmenschen und Bildermenschen, die am Ende zu „ganzen“ Menschen werden. Begegnen Ihnen dennoch manchmal Bildermenschen oder Wortmenschen?

Das ist ein weiterer Reiz der Erzählung: sich zu fragen, ob man selbst mehr Bilder- oder mehr Wortmensch ist. Die Entscheidung, ob das Mädchen ein Bilder- oder Wortmensch ist, war übrigens nicht so leicht. Ich kam zum Schluss, wie immer ich mich (als Mann) entscheide, man kann es kritisch kommentieren … das fand ich aber ganz amüsant!

Welche Bedeutung hat „Zusammen“ gerade in unserer Zeit?

Die aktuellen Fragen nach Menschlichkeit gegenüber Fremden und Flüchtlingen geben der Geschichte eine ungeplante Aktualität. Die Erzählung lenkt den Blick auf das, was jeden Menschen ausmacht, auf Universalität, auf die Anerkennung und Wert des Andersseins, auf die Begegnung und Entdeckung des Gemeinsamen, auf ein friedliches und sinn-volles Zusammenleben. Wir arbeiten derzeit mit der Geschichte im Religionsunterricht. Die Kinder stellen all diese Zusammenhänge wie von selbst her.

Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit als Religionspädagoge wichtig?

Immer möchte ich die Kinder und die „Sache“ ernst nehmen, also die Fragen nach dem Woher und Wohin, nach Warum und Sinn, nach Gott und Welt, die der Mensch immer schon und schon sehr früh im Leben stellt und die wir bereits in der Bibel finden. So kann das vermeintlich Alte entdeckt und neu werden bzw. aktuell bleiben - so kann es heute leben helfen!

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