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90 Jahre Häschenschule!

Seit jeher erfreut die Häschenschule Kinderherzen. Erfahrt mehr über ihren Schöpfer Albert Sixtus im Interview mit Ulrich Knebel, Leiter des Sixtus Archivs.

In welcher Verbindung stehen Sie zu Albert Sixtus?

Albert Sixtus war mein Großonkel, ein Onkel meiner Mutter. Er starb ein Monat nach meiner Geburt.

Was sind die Aufgaben des Sixtus Archivs und wie kam es zur Gründung?

1966, im Alter von 6 Jahren, stand ich zum ersten Mal in der Wohnung von Albert Sixtus, die damals aufgelöst wurde. Ich erlebte mit, wie alle Papiere in einen riesigen Reisekorb und mehrere Kisten verpackt wurden.
Den Korb stellte man in einer alten Werkstatt auf dem Grundstück meiner Großeltern ab, die Kisten sowie einige Bücher wurden auf dem Dachboden im Wohnhaus deponiert.
Mehr als dreißig Jahre später, 1997, erinnerte ich mich des Korbes und forschte nach. Er befand sich noch immer in dieser Werkstatt. Es handelte sich vor allem um Manuskripte von ungedruckten Gedichten, Kinderbüchern, Theaterstücken, Geschichten, einem Roman und einer Biografie seiner Kinderzeit. Außerdem enthielt der Korb Verlagsverträge, Briefe, den Briefwechsel mit Sixtus’ Sohn Wolfgang, der sich damals, während des 2.WK , im Fronteinsatz befand und einige Broschüren, Zeitungen und Zeitschriften, die einzelne seiner Gedichte enthielten.
Die Bücher, die wir gern als Archivexemplare verwendet hätten, waren zum größten Teil nicht mehr vorhanden oder durch eingedrungene Nässe und Ungeziefer fast vollständig zerstört. Da im Internet oder in gedruckten Medien über Sixtus kaum etwas zu erfahren war, gründete ich 1997 das Albert-Sixtus-Archiv und erstellte die Homepage www.albert-sixtus.de. Bis auf wenige Exemplare und Erstausgaben vervollständigte ich den Buchbestand durch Ankauf aus Antiquariaten und bei Versteigerungen im Internet. Allerdings setzten mir hier die horrenden Preise deutlich Grenzen.

Was sind die spannendsten Funde in Ihrem Archiv?

Überrascht hat mich die Vielfalt und Vielzahl der ungedruckten Werke von Sixtus.
Sehr interessant sind u.a. die Biografie seiner Kinderzeit und der noch nie veröffentlichte 2.Teil des Riesenhügel-Abenteuers. Das Wertvollste sind sicher die handschriftlichen Notizen zu den ersten Versen der „Häschenschule“, die in der Nacht des 30.April 1922 entstanden.
Seine vielen kleinen Notiz- und Tagebücher mit unzähligen Ideen für neue Bücher sind zwar größtenteils schwer zu lesen, dennoch spannend geschrieben. Sehr bewegt haben mich die Bemerkungen zu den teilweise unwürdigen Verlagsverträgen, die Schilderung des Kampfes um die Bezahlung seiner Verse, sowie die vielen kleinen und großen Ungerechtigkeiten, mit denen ein Versedichter damals konfrontiert wurde.

Wer sind die Interessenten am Nachlass von Sixtus?

Nachdem ich die Homepage ins Netz gestellt hatte, erreichten und erreichen mich noch heut Anfragen von jüngeren Menschen, wie etwa:
„Meine Mutter erzählte immer von dem Sixtus-Buch ..., sie kennt die Verse noch heute auswendig. Ich möchte ihr eine Freude machen, wo kann ich dieses Buch kaufen? Könnte man eine Kopie bekommen?“ Aber auch ältere Menschen schreiben von ihren Kindheitserinnerungen oder rufen an. Ehemalige Schüler meldeten sich, die Sixtus damals unterrichtete oder die an der Aufführung eines seiner Theaterstücke mitwirkten. Es kontaktieren mich hin und wieder Zeitungen und Zeitschriften, die über Sixtus einen Artikel veröffentlichen wollen. Auch Verlage, die das eine oder andere Gedicht in einem Buch veröffentlichen möchten, fragen nach dem Copyright.

Kann man sich die Bestände auch ansehen?

Das Albert-Sixtus-Archiv ist lediglich eine Kontaktstelle für Anfragen. Alle Unterlagen befinden sich, grob sortiert, in Kartons. Es existiert kein Archivraum, keine Ausstellung und keine Möglichkeit, etwas anzusehen. Etwa 100 Bücher sind leider in einem sehr schlechten, restaurierungswürdigen Zustand. Die gesamten Papiere müssten dringend behandelt und in Archivboxen gelagert werden. Meine Bestrebungen und Anfragen bei Ämtern, Institutionen oder Stiftungen liefen leider ins Leere. Zu meinem Bedauern ist es mir bis heut nicht möglich gewesen, das Archiv aufzuarbeiten und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Was denken Sie, warum die Häschenschule bis heute nicht an Beliebtheit verloren hat?

Die Häschenschule galt schon zu Sixtus` Lebzeiten als Klassiker.
Sixtus’ eingängige, rhythmische und leicht verständliche Verse, die besonders das Kind ansprachen, verbunden mit den Zeichnungen Koch-Gothas, deren karikierender Charakter eher dem Erwachsenen auffiel, waren schon damals für Bilderbücher einmalig und sind es bis heute geblieben.

Was wünschen Sie der Häschenschule für die nächsten 10 Jahre?

Ich wünsche der Häschenschule, dass sie weiterhin ihren festen Platz unter den Kinderbuchklassikern behält, immer wieder Kinderherzen höher schlagen lässt und bei den Großen Kindheitserinnerungen wachruft, die sie vielleicht schon vergessen glaubten. Ich wünsche mir für das Archiv, dass vielleicht dieses Jubiläum die Sicht auf die Erhaltung und das Öffentlichmachen der Bestände verändert.

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