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Von Taubenhelden und Vogelattacken

Warum der Autor Joachim Friedrich Tauben so spitze findet und Vögel für ihn die perfekten Buchhelden  sind, erzählt er euch in diesem Interview.

Lieber Herr Friedrich, in Ihrem neuen Buch „Die furchtlosen zwei von Bahnsteig drei“ geht es um ein actionreiches Abenteuer aus der Sicht von Stadttauben. Hunde, Katzen und Pferde sind ja schon seit langem beliebte Helden in Kinderbüchern. Wie kamen Sie darauf, nun Tauben zu Ihren Hauptfiguren zu machen?

Die Idee zu diesem Buch hatte ich, während ich auf einem Bahnsteig stand, auf den Zug wartete und die Tauben dort beobachtete. Einige von ihnen sahen schon ziemlich „ramponiert“ aus und ich dachte, dass diese Tauben kein leichtes Leben hatten. Der Begriff der „Outlaws“ kam mir in den Sinn. Ich stellte mir vor, dass sich die Tauben dort in Gangs organisieren und jeden Tag um ihr Leben kämpften, aber auch frei waren. Je länger ich darüber nachdachte, desto interessanter schien es mir, eine Geschichte über diese Tauben zu schreiben, denn es gibt auch einen Gegenentwurf zu diesen „Gangs“: die Zuchttauben. Sie führen ein recht bequemes Leben, werden von ihren Taubenvätern gefüttert und sind in ihrem Schlag vor Wind und Wetter geschützt. Als jemand, der im Ruhrgebiet lebt, kenne ich diese Tauben sehr gut. Es ist ein beliebtes Hobby der Bergleute gewesen. Wenn sie am Wochenende an ihrem Schlag standen, in den Himmel blickten und auf ihre Tauben warteten, war dies für sie ein Ausgleich zu ihrem Arbeitsplatz tief unter der Erdoberfläche.
Es wäre doch sicher lustig und auch spannend, so überlegte ich schließlich, diese beiden Welten aufeinander treffen zu lassen. Das Ergebnis dieser Überlegungen waren dann schließlich meine Helden Billy, Pommes und Liz.

In dem Buch wehren sich „die furchtlosen zwei“ mit der sogenannten „Kack-Attack“ gegen ihre menschlichen Feinde. Wurden Sie auch schon einmal Opfer einer solchen Tauben-Attacke?

Ich selbst zum Glück nicht, mein Auto dafür umso häufiger. Manchmal habe ich das Gefühl, die Tauben warten so lange, bis ich damit aus der Waschanlage komme, um ihre „Kack-Attack“ zu fliegen. Dass ich selbst davon nicht betroffen wurde, hängt vielleicht auch damit zusammen, dass ich kein Feind der Tauben bin.

Geschichten aus der Sicht von Tieren zu erzählen braucht viel Fantasie. Wie schaffen Sie es, sich in die Köpfe einer Taube hineinzuversetzen?

Es ist immer eine Gratwanderung, wenn man aus der Sicht von Tieren schreibt. Zum einen muss man sie vermenschlichen, um Geschichten erzählen zu können, die Leser interessant finden und sie berühren. Zum anderen muss man sich überlegen, wie diese Tiere unsere Welt, also die der Menschen, wohl empfinden und auch beurteilen. Das Ergebnis ist häufig nicht sehr schmeichelhaft für uns Menschen.

Welchen Tipp können Sie Nachwuchsautoren geben, die auch gerne mal eine Geschichte aus der Perspektive eines Tieres schreiben würden?

Die Tiere müssen, wie oben erwähnt, einen „menschlichen“ Charakter haben, also Freude und Leid ähnlich wie wir empfinden. Sie müssen auf eine Weise miteinander kommunizieren können, wie wir Menschen es auch tun. Dabei ist es aber nicht erforderlich, dass wir Menschen sie auch verstehen. Das ist zwar auch möglich, aber das sind dann wieder spezielle Geschichten, wie z.B. Dr. Doolittle.
Auf der anderen Seite müssen diese Tiere ganz spezielle Probleme haben und Abenteuer erleben, die sich aus ihrem Leben als Tier ergeben. So spielt sicher die Futtersuche häufig eine sehr große Rolle, aber auch die natürlichen Feinde dieser Tiere, also zum Beispiel die Katzen für meine Tauben. Schließlich muss man sich überlegen, wie diese Tiere uns Menschen wohl sehen. Das ist der schwierigste Teil.

In Ihrer Kinderbuchserie „3 mit Papagei“ spielt bereits ein Vogel eine der Hauptrollen. Was macht für Sie Vögel als Kinderbuchhelden so interessant?

Im Gegensatz zu uns Menschen können Vögel fliegen. Sie haben also die Möglichkeit die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen und können Distanzen schneller und direkter überbrücken als wir. So ist es zum Beispiel für einen Vogel kein Problem ein fahrendes Auto zu verfolgen. Er muss nur hoch genug fliegen. Nicht zuletzt lieben Kinder Vögel genau deshalb. Wer hat sich als Kind (und auch als Erwachsener) nicht schon einmal gewünscht fliegen zu können?

Straßentauben werden oft gescheucht und getreten. Glauben Sie, ein Buch wie dieses kann das Verhältnis der Kinder zu Tauben verändern?

Ich glaube, dieses negative Verhältnis zu den Straßentauben ist ein Problem der Erwachsenen. Kinder haben im Grunde nichts gegen sie. Wenn sie die Tauben jagen, dann wollen sie sie wegfliegen sehen. Das mögen Tauben zwar nicht so gern, aber die Kinder wollen ihnen nichts Böses.
Außerdem sind Tauben auch für uns Erwachsene nicht nur negativ besetzt, denken wir nur an die Friedenstaube.

 

Das Interview führte Maria Jacob, 2014

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