Thienemann-Esslinger

Geschichten-Werkstatt

Warum man Pferden alles anvertrauen kann

Gaby Hauptmann verbindet ihre Leidenschaft für Pferde mit ihrer Passion fürs Schreiben. Lest hier das Gespräch mit der Bestsellerautorin und ihre Liebe zu Tieren.

Liebe Frau Hauptmann, liegt auf dem Rücken der Pferde das Glück dieser Erde? Was fasziniert Sie an Pferden und dem Reiten?

Pferde sind sehr stolze Tiere. Wenn sie einen Menschen akzeptieren und Mensch und Pferd ein Team werden, dann ist das immer eine große Freude und auch Bestätigung. Pferde besitzen eine faszinierende Mischung aus Größe und Zartheit, Kraft und Sanftheit.  Und einen natürlichen Stolz. Auf dem Pferderücken fühlt sich die Welt ganz anders an, daher kann man schon von Glück sprechen beim Reiten.

Seit wann reiten Sie? Haben Sie eigene Pferde?

Ich habe mit 6 Jahren mit dem Voltigieren angefangen und bin dann mit 10 Jahren geritten.
Noch bis vor kurzem hatten wie sieben Pferde. Jetzt studiert meine Tochter und eine gute Freundin von mir aus Aalen hat drei übernommen. Meine Tochter hat außerdem ihr selbst ausgebildetes S-Dressurpferd zu lieben Freunden nach Norddeutschland verkauft. Die junge Kaderreiterin ist 18 Jahre alt, startete mit ihm bereits erfolgreich bei den Deutschen Meisterschaften und die beiden haben sich auch gefühlsmäßig gesucht und gefunden. Jedenfalls wird er ein langes, gutes Leben bei dieser Familie haben.

Sie retten Tiere und ermöglichen Ihnen ein glückliches Leben. Woher kommt dieses Engagement?

Mir ist die Liebe zu Tieren und ihr Schutz, wenn man so will, in die Wiege gelegt worden. Die Tierliebe ist in unserer Familie sehr groß. Wir hatten schon immer Tiere zuhause, die uns zugelaufen sind oder die wir irgendwo aufgefunden haben. Meine Mutter war sehr engagiert im  Tierschutz, hat Kettenhunde und andere Tiere gerettet. In Deutschland gibt es immer noch genug Tiere, denen man einfach helfen muss. Ich engagiere mich zum Beispiel gegen die Noriker-Fohlenauktionen in Maishofen (Österreich). Da wird eine schützenwerte und von der EU finanziell geförderte Rasse zuerst zum Lockmittel für Touristenkinder und die Fohlen enden dann im Herbst auf Auktionen, und wenn sie (wie meist) keinen privaten Käufer finden, in den italienischen  Schlachtfabriken. Einfach mal googeln. Und sich dann vielleicht engagieren ...

Wann werden Sie richtig wütend, wenn es um Pferde geht?

Ganz klar bei Tierquälerei. Wenn Pferde über ihr Leistungsvermögen hinaus geschlagen oder geprügelt werden. Es gibt eine Leistungsgrenze, die es zu respektieren gilt.

Wie erklären Sie sich die Pferdeverrücktheit von Mädchen in einem bestimmten Alter?

Gerade in dem Alter, in dem Mädchen mit dem Reiten anfangen, sucht man einen Freund, dem man alles erzählen kann, der einen versteht. Und dieses Gefühl vermitteln einem Pferde ziemlich stark, man kann ganz einfach mit ihnen kommunizieren. Ich bin selbst als junges Mädchen ewig bei den Pferden in der Box gesessen und habe ihnen von meinen Problemen erzählt. Das, was man keinem Erwachsenen anvertrauen möchte, oft gerade seinen Eltern nicht. Oder man will es vielleicht auch noch nicht gleich erzählen. Da sind Pferde genau die richtigen Freunde, die einem zuhören.

Hatten Sie als Mädchen ein Lieblings-Pferdebuch?

Ich habe keine Pferdebücher gelesen, da mir die richtigen gefehlt haben. Aber ich war Fan von Fury, diesem schwarzen, schönen Traumpferd.

Sie haben Ihr erstes Pferdebuch vor „Suche impotenten Mann für Leben“ geschrieben, wie kam das? Warum zuerst ein Jugendbuch?

Ich habe mit 16 Jahren als Reiterin gemerkt, dass es das, was ich lesen wollte, einfach nicht gab. Ich wollte über das lesen, was einem begegnet, wenn man die meiste Zeit im Reitstall verbringt: Was kann ich noch über Pferde lernen oder von Themen wie Freundschaft, Konkurrenz und erster Liebe. Und so habe ich mit Alexa, meinem ersten Jugendbuch, angefangen und es über die Jahre weitergeschrieben. Nach 26 angeschriebenen Verlagen hat es der FN-Verlag, der Verlag der Reiterlichen Vereinigung – an den ich mich zunächst gar nicht herangetraut hatte -, dann 1994 veröffentlicht. Bis heute ist „Alexa – die Amazone“  ein Buch, von dem mir viele, inzwischen ältere Leserinnen, sagen, dass es ein wahrhaftiges Buch ist, das die Zeit überdauert hat und dass sie sich eine Fortsetzung wünschen.

Was sollte niemals in einem Pferdebuch vorkommen und was dürfte niemals fehlen?

Nun, jetzt habe ich zehn Bücher geschrieben und in jedem steht eigentlich etwas anderes drin. Wichtig wäre zum Beispiel, dass eine Tierquälerei in jedem Fall aufgelöst werden muss. In meinem neuen, dem 10. Kaya-Band, finden die Mädchen einen Plastiksack mit Babykatzen drin. Leider wird unerwünschter Tiernachwuchs noch immer oft grausam „entsorgt“. Für so eine Tat muss der Täter natürlich zur Rechenschaft gezogen werden. Und umgekehrt, was muss immer im Buch vorkommen? Die Liebe zur Kreatur natürlich.

Möchten Sie diese Tierliebe und das Engagement im Tierschutz bei Ihren Leserinnen wecken oder sie einfach gut unterhalten?

Gerade Kinder haben ein großes Unrechtsbewusstsein und setzen sich daher schon selbst oft engagiert ein. Trotzdem ist mir das natürlich auch in meinen Büchern ein Anliegen. Ich möchte nicht nur die heile Pferdewelt zeigen, sondern auch immer etwas Politik mit einbringen, wie zum Beispiel mit den schon erwähnten Maishofen-Auktionen in „Kaya rettet Fohlen“ (Band 9). Da war die Resonanz übrigens riesig – viele Jugendliche wollten sofort zu den Fohlen-Auktionen, um dagegen zu protestieren.

Stichwort Politik. Finden Sie die Politik müsste mehr tun, was den Tierschutz anbelangt?

Ja, denn hier liegt nach wie vor vieles im Argen und man müsste die Menschen viel mehr damit konfrontieren. Unser Bewusstsein sollte viel stärker dafür geschult werden. Das fängt schon beim Fleisch essen an, wenn man gedankenlos kauft oder bestellt, oder sich den Teller an Buffets voll lädt und dann viele Reste zurückgehen lässt. Denn dafür musste ja ein Tier sinnlos sterben. Das Sterben ist ja das eine, die Frage ist aber wie! Ein richtiger Weg wäre, auf regionale Produkte zurückzugreifen und zwar bei allen tierischen Produkten.

Was ist Ihnen beim Schreiben für die jüngere Zielgruppe wichtig? Was macht den Unterschied zu Ihren Erwachsenenbüchern aus?

Es fällt mir nicht ganz so schwer, mich in meine Gefühlswelt als 16-jährige zurückzuversetzen. Trotzdem ist es eine Herausforderung. Diese überschlagenden Gefühle von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt, liebt er mich oder nicht, dieses Prüfen von Anzeichen, sind in diesem Alter sehr viel anstrengender. Dazu gehört auch die erste Liebe. Aber da habe ich ja meine Tochter Valeska. Sie hat mir nicht nur als doppelte Vize-Europameisterin in der Pony-Vielseitigkeit den Sport vorgelebt, sondern natürlich auch ihre Pubertät. Und sie berät mich, wenn es um Ausdrücke oder Gefühle geht, denn da ist sie als heute 22-jährige noch immer nah dran. Und das Wesentliche war auch unser Reitstall Obere Mühle in Allensbach – ein Kinder- und Jugendparadies. Auch dies ist, mitsamt der Reitlehrerin Claudia und den vielen Abenteuern rund um unser Stallleben, in meinen Kaya-Büchern authentisch.

Was wird die neuen Kaya-Bücher von den älteren unterscheiden?

Kaya ist älter geworden und in den neuen Bänden 16 Jahre alt. Doch Kaya bleibt Kaya. Auch ihre Freunde tauchen wieder auf. Allerdings muss sie sich mit ihren 16 Jahren nun mit anderen Dingen befassen. Sie fängt einen Ferienjob an und muss da Verantwortung übernehmen und eine professionelle Seite entwickeln. Das heißt, ihre Arbeit ernst zu nehmen und mit Leuten zurechtzukommen, die sie nicht unbedingt mag.

Inwieweit spielt Ihre Tochter Valeska eine Rolle für Ihre Pferdebücher?

Wie gesagt, fließen viele Erlebnisse, die ich mit Valeska als Turnierreiterin erlebt habe, in die Geschichten mit ein. Ich versuche, meine Leser in eine Welt mitzunehmen, in die sie vielleicht nie kommen – wie das „German Friendships“in Herford. Da kommen Jugendliche aus der ganzen Welt, um mit deutschen Gleichaltrigen als Paar zu reiten und gleichzeitig kommen deutsche Spring-Champions, die ihre Erfahrung weitergeben („Kaya will mehr“, Band 5). Es kann aber auch ganz einfach mal um Eifersucht gehen – aber eben auch um viel Spaß mit den Freundinnen. Und um den Zusammenhalt – den haben sie und drücken ihn auch in ihrer Hymne: „Frei und stark“ (gibt’s als CD) aus. Ich bin – auch dank Valeska – nah am Leben dran und alle unsere Leser bescheinigen uns genau das, eine große Authentizität.

Machen Sie Unterschiede zwischen Mädchen von heute und Mädchen von vor 10, 15 Jahren aus? Hat sich Ihre Zielgruppe verändert?

Was Pferde angeht, glaube ich, dass viele Mädchen früher ihre Arbeitskraft bewusster eingebracht haben, auch weil sie stundenlang Zeit im Stall und bei den Tieren verbracht haben. Das, würde ich sagen, hat sich verändert. Den Kindern heute bleibt oft keine Zeit mehr, sich so mit den Tieren oder dem Stallleben zu beschäftigen, wie es früher war. Kinder sind heute zeitlich viel eingeschränkter, ja geradezu terminlich verplant.

Welche Werte würden Sie Ihren Leserinnen vermitteln – oder spielt dies keine Rolle?

Respekt, Toleranz und Teamfähigkeit. Völkerverständigung über Sport finde ich fantastisch. Im Reitstall lernt man automatisch Verantwortung, soziales Engagement, Zielstrebigkeit, Disziplin und natürlich Tierliebe. Das wird von den Älteren an die Jüngeren automatisch weitergegeben und sind alles Dinge, die einen unglaublich prägen. Und die ganz von selbst – ohne elterliches Dogma – kommen. Das versuche ich auch in meinen Büchern aufzufangen und zu vermitteln.

 

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